Literaturlesung mit dem Schriftsteller Wilfried N’Sondé (22.09.2018)

 In allgemeine Beiträge

In Kooperation mit dem Osthaus Museum sowie der VHS und unterstützt durch weitere Sponsoren konnte die Reihe der von der DFG initiierten Lesungen mit anschließender Diskussion am 22.09.2018 erfolgreich fortgeführt werden.

Das Publikum im gut gefüllten Vortragssaal des Kunstquartiers hörte Auszüge aus dem 2007 erschienenen und mit mehreren Preisen ausgezeichneten Roman Le Coeur des Enfants Léopards / Das Herz der Leopardenkinder von Wilfried N’Sondé in französischer und deutscher Sprache. Der Roman des im Kongo geborenen Autors hat durch den dramatischen Anstieg der Einwandererzahlen in den Jahren nach seiner Entstehung ständig an Aktualität gewonnen, da er die Situation junger Männer aus Einwandererfamilien anhand des Schicksals eines Einzelnen beleuchtet.

Im Mittelpunkt des Romans steht ein junger Franzose, Sohn afrikanischer Einwanderer, der von der Polizei verhaftet und wegen eines von ihm begangenen Mordes verhört wird. In der Gefängniszelle erinnert er sich an die Ausgrenzung durch die Gesellschaft, an seine verlorene Geliebte, an die Zunahme von Gewalt und Verzweiflung.

Der Vortrag des Autors in der Originalsprache machte vor allem die sprachliche und stilistische Qualität des Textes anschaulich, während die Zuhörer durch die deutsche Übersetzung, vorgetragen von Dieter Gilde, in die Lage versetzt wurden, Gefühle, Charakter und Selbstanalyse des Protagonisten besser zu verstehen.

Die anschließende Diskussion machte klar, dass es dem Autor, der wie der Protagonist des Romans der 2. Generation von Einwanderern angehört, darum geht, die Gründe für das Scheitern menschlicher Beziehungen zu beschreiben. Einfache Schuldzuweisungen an die Gesellschaft nimmt er nicht vor, auch wenn Diskriminierung dunkelhäutiger Einwanderer eine Tatsache ist, von der er selber betroffen war. Er betont jedoch die Komplexität der Problematik und fordert eine differenzierte Betrachtung. Die plakative Verwendung des Begriffs „Rassismus“ lehnt er ab und stellt auch die Forderung nach Integration in Frage. N’Sondé hat viele Jahre lang mit seiner Familie in Berlin gelebt und beschreibt seine persönlichen Erfahrungen mit der Situation bei uns in Deutschland als sehr gut.

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